Als Fahrradfanatiker habe ich mir natürlich auch mal das ein oder andere Buch zu diesem Thema zu Gemüte geführt. Für die schnellen Leser: das beste davon war eindeutig das US-amerikanische Werk Bikenomics, welches die Ökonomie des Fahrradfahrens eindrucksvoll schildert. Dazu vielleicht in einem anderen Artikel mehr. In diesem Artikel hingegen geht es um zwei deutsche Werke: „Ich lenke also bin ich“ und „How to survive als Radfahrer“.

Zuerst die gute Nachricht: beide Bücher bringen einen ab und zu zum Schmunzeln und bekräftigen uns in unserem Kampf für das Gute. Die schlechte Nachricht: das Thema ist nun mal so vielseitig, dass man nicht mit allen Meinungen der Autoren übereinstimmen kann, und sich auch nicht für all deren Mitteilungsbedürfnisse interessiert.

„Ich lenke also bin ich“ zum Beispiel widmet ein ganzes Kapitel der Meinung, dass Helme scheiße aussehn und unangenehm sind. Das vermittelt zwar ein gewisses Verständnis, welche Argumente Persönlichkeiten gerne gegen das Helmtragen ins Feld führen, die sich beim Radeln mehr um ihr Aussehen als um hohes Tempo bemühen. Aber wann ein Helm tatsächlich Sinn macht, wäre dann doch noch ganz nett zu lesen: nämlich z.B. wenn ich kein sicherer Fahrer bin, bei gewissen Witterungsbedingungen, wenn auf meiner Strecke großes Gefälle vorkommt, wenn ich die Strecke und somit ihre Tücken nicht gut kenne, wenn ich ein unbekanntes Gefährt benutze oder nicht weiß, ob ich am Ende des abends überhaupt noch auf den Sattel komm ohne auf der anderen Seite wieder runter zu purzeln und so weiter und so fort.

Aber hey, das Thema betrifft ja nur ein paar Kapitel. Ansonsten ist das Buch trotzdem unterhaltsam, weil man ja letztendlich doch die gleichen Werte vertritt und das einfach der Seele schmeichelt.

Zum Überlebensratgeber für Radfahrer, geschrieben von einer Bloggerin, die sich in ihrer Masterarbeit mit fahrradtauglicher Damenmode auseinandergesetzt hat: Obwohl das Cover richtig behämmert aussieht fällt mein Urteil hier milder aus. Schon im ersten Kapitel zum Fahrradkauf hab selbst ich, der nach mehrjähriger Kuriererfahrung schon einen beachtlichen Anteil aller Fachsimpeleien mit anhören musste, was mitgenommen: in letzter Zeit haben mich nämlich schon mindestens drei Menschen zum Fahrradkauf befragt. Und weil ich das Fachsimpeln gerne den dafür ausgebildeten Menschen überlasse, war meine Antwort bis jetzt meistens: geh in ein paar g‘scheite Läden und gib so viel Geld aus, wie Du grad verkraften kannst. Und spar nicht am Schloss. Aber wenn man überhaupt gefragt wird fallen solche Ratschläge bei weniger fahrradbegeisterten gerne mal auf taube Ohren, wenn sie einen überhaupt im Rat fragen. Ich hab‘s schließlich auch schon erlebt das ein Freund ein Rad ohne Gangschaltung zum Geburtstag bekam, weil seine Freundin meinte, sie kriegt das ultimative Schnäppchen bestimmt auch alleine bestellt.

In der Zwischenzeit ergänze ich meinen immer noch validen Ratschlag aber darum, dass man am Besten am Ende des Sommers zu suchen beginnt um dann im Schlussverkauf zuschlagen zu können. Ein paar Details fehlen dann natürlich auch in diesem Buch (wie z.B. dass das Schild „Fahrrad frei“ auf Gehwegen gleichzeitig „in Schrittgeschwindigkeit“ bedeutet, oder dass man über seinen Arbeitgeber ein Jobrad im Wert von mindestens 1000€ als Dienstfahrzeug leasen kann). Und dass man bei der Critical Mass kein Bier trinken sollte leuchtet wohl auch nicht jedem gleich ein, der solche Momente der Freiheit gerne mit verantwortungsbewusstem Alkoholkonsum begießt.

Aber auch hier gilt: die Grundwerte stimmen überein, und daher dient das Buch als gut verdauliche Entspannungslektüre.

Ich find‘s auf jeden Fall schön, dass die kleine Königin es im stolzen Alter von 200 Jahren es noch schafft, sich inmitten der unfassbaren Flut der von bösen Zungen „Trivialliteratur“ genannter Bücher zu behaupten. Ein prost darauf. Von mir aus auch mit Radler und ohne Helm.

2017-09-24T22:59:28+00:00