Ziele des Radentscheids Tübingen2018-12-05T16:37:53+00:00

Unsere Ziele umfassen sowohl Forderungen bezüglich des Radnetzes als auch Forderungen hinsichtlich Monitoring und Kommunikation.

Die folgenden vorläufigen Ziele sind noch unter Bearbeitung. Kommentare dazu sind herzlich willkommen und können entweder per Email oder hier (Achtung: nicht mehr aktualisiertes Dokument!) hinterlassen werden!

Qualität des Radverkehrsnetzes

Die Stadt Tübingen legt anhand eines Verkehrsentwicklungskonzepts bis fünf Jahre nach Beschluss jährlich x (3?) km zeitgemäße Radverkehrsanlagen (2m breit, geschützt) mit einer Entwurfsgeschwindigkeit von 30 km/h an allen Hauptstraßen an (vgl. Stuttgart Ziel 3: 33km/Jahr).

Radschnellwege für den Pendelverkehr auf den Hauptachsen einrichten

Bis fünf Jahre nach Beschluss ein zusammenhängendes Netz fahrradgerechter Schulwegrouten realisieren

Die Stadt Tübingen gestaltet jährlich mindestens 3 km Straßen im Nebenstraßennetz so um, dass diese für den Radverkehr attraktiver werden. Auf diesen Straßen minimiert die Stadt den Durchgangsverkehr, z.B. durch bauliche Maßnahmen. Straßen mit hohem Radverkehrsanteil werden bevorzugt umgestaltet.

Da es sich hierbei um eine verkehrsrechtliche Anordnung handelt, welche nicht per Bürgerentscheid gefordert werden dürfen, suchen wir hier noch nach einer rechtlich zulässigen Alternative.

In Anlehnung an Bamberg’s Ziel 5: Jährlich sollen in Tübingen ab dem Radentscheid mindestens drei der gefährlichsten Kreuzungen umgebaut und die jeweiligen Gefahrenquellen für Radfahrer und Fußgänger beseitigt werden. Der Handlungsbedarf wird jährlich ermittelt. Dabei sollen vor allem Kreuzungen mit erhöhten Unfallzahlen umgebaut werden – aber auch solche, wo sich Radfahrer unsicher fühlen. Denn es muss nicht erst ein Unfall geschehen, um erkennbare Risiken zu vermeiden. Auch Beinahe-Unfälle werden so mittels geeigneter Bürgerbeteiligung berücksichtigt. Hier wird ermittelt, wo Radfahrer sich unsicher fühlen.

Zudem sollen alle fünf Jahre Radfahrer nach den aus ihrer Sicht unsichersten Kreuzungen in Tübingen befragt werden. Damit aber nicht weiter jahrelang gewartet werden muss, bis eine unsichere Kreuzung entschärft wird, soll nach jedem schweren Unfall mit Beteiligung von Radfahrern und Fußgängern geprüft werden, ob die Gestaltung der Kreuzung zu den Ursachen gezählt werden muss. Bei den meisten der sog. Rechtsabbiegerunfälle (Rad geradeaus, Auto biegt ab) ist dies der Fall. Hätte ein besseres Kreuzungsdesign diesen Unfall verhindert, muss rasch gehandelt werden. Das heißt: Innerhalb von sechs Monaten müssen die Gefahren durch bauliche Maßnahmen oder Änderungen der Verkehrsführung beseitigt werden. Dies geschieht zusätzlich zu obigen jährlichen drei Umbauten.

Die Stadt Tübingen senkt auf Radwegen im Bestand pro Jahr mindestens x (30? Darmstadt fordert 50) Bordsteinkanten auf Nullniveau (Fahrbahnniveau) ab. Sie gestaltet x (30? Darmstadt: 50)  Gehwegkanten barrierefrei um.

Bis fünf Jahre nach Beschluss werden jenseits des Hauptbahnhofes an in Wohngebieten, ÖV-Haltestellen und an den Zielorten des Radverkehrs 5000 sichere und möglichst witterungsgeschützte Radabstellmöglichkeiten geschaffen. Soweit möglich, bieten die Abstellanlagen, an denen Fahrräder in der Regel über Nacht stehen, Schutz gegen Vandalismus und Fahrraddiebstahl.

Begründung: Lastenräder behindern im Vergleich zu motorisierten Zustellfahrzeugen die Kundschaft weniger, verdecken keine Schaufenster und tragen zur Wahrung eines attraktiven Stadtbilds bei [BIEK 2015] (Quelle)

(Auch hier könnte es sich wie im Falle der grünen Welle um eine verkehrsrechtliche Anordnung handeln)

An Kreuzungen von Hauptverkehrsstraßen mit untergeordneten Nebenstraßen ist der Gehweg so auszuführen, dass Fußgänger niveaugleich in der Hauptverkehrsrichtung weitergehen können. Querende Fahrzeuge fahren über Rampen auf das Gehwegniveau. Jährlich sind mindestens 10 Kreuzungen entsprechend umzugestalten.

Beschreibung noch nicht formuliert.

 

Monitoring und Kommunikation

In Anlehnung an Bamberg’s Ziel 9, wo auch weiterführende Quellen zu finden sind. Eine gute Organisation würde sich auszeichnen durch:

  • Klar formulierte, messbare Ziele
  • Wenige Schnittstellen und Prioritäten entsprechend der Verkehrsstrategien
  • Eindeutige Ansprechpartner in den Ämtern für die Maßnahmen
  • Einbindung der Öffentlichkeit und Nutzung der Interessensgruppen bei der Erstellung der Pläne
  • Transparenz der Planung und Umsetzung
  • Schnelle Beseitigung von akuten Mängeln im Radwegenetz
  • Regelmäßige positive Kommunikation zu Planung und Umsetzungserfolgen
  • Konsequente Bewerbung um Förderprogramme

Die effiziente Organisation und das Einbeziehen/Nutzen von Öffentlichkeit und Interessensgruppen lässt erwarten, dass mittel- bis langfristig für die Organisation eher weniger Haushaltsmittel benötigt werden als dies heute der Fall ist.

In Anlehnung an Berlins Forderung zur Öffentlichkeitsarbeit:

Wir wollen ein sicheres und komfortables Radwegenetz aufbauen, so dass noch mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sein können – für ihre alltäglichen Besorgungen, den Arbeitsweg, den Weg zum Theater. Die Aufteilung des Straßenraums in Berlin wird sich verändern: Es wird mehr Radfahrende geben und ihnen wird mehr Platz zugestanden. Diese neue Situation erfordert an mehreren Stellen ein Umdenken aller Verkehrsteilnehmer. Dafür braucht es eine aktive Öffentlichkeitsarbeit: Veränderte Verkehrssituationen müssen erklärt, gegenseitiges Verständnis und Rücksicht müssen gefördert werden.

Tübingen baut Radwege – und alle sollen das wissen

Was hätten die Tübingerinnen und Tübinger vom schönsten Radschnellweg abseits der Hauptverkehrsstraße, wenn niemand davon weiß? Was, wenn die Regeln in den Fahrradstraßen missachtet werden, weil kaum einer sie kennt? Die geschaffenen Möglichkeiten müssen in der Öffentlichkeit bekannt gemacht und die Menschen ermutigt werden, diese auch zu nutzen. Kampagnen, Pressearbeit und Veranstaltungen sollen möglichst viele Menschen dazu motivieren, ihre Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen und so eine moderne Alternative zum Auto zu nutzen.

Die Sicht der anderen verstehen – das Miteinander fördern

Wie verhalte ich mich als Autofahrer gegenüber der steigenden Zahl an Radfahrern? Wie wird die neue Radwegführung gekreuzt? Was müssen schnelle Radler beim Überholen von Kindern und Senioren beachten? Wo kann ich mit meinem Lieferwagen halten?

Mehr Rücksicht und Umsicht im Verkehr wären jetzt schon wünschenswert. Umso mehr müssen diese Haltungen gefördert werden, wenn geänderte Wegeführungen, Vorfahrten und zunehmender Fahrradverkehr gewohnte Strecken neu gestalten. Dies gilt nicht nur für Autofahrerinnen und Autofahrer: Auch Radfahrende müssen lernen, auf neuen, breiten Wegen mit den vielen schneller und langsamer radelnden Mitmenschen rücksichtsvoll umzugehen.

Nicht zuletzt sollen die Verkehrsregeln und Unfallrisiken immer wieder ins Bewusstsein gerufen und so die Verkehrsmoral gesteigert werden.

Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig!

Wir sind überzeugt, dass Öffentlichkeitsarbeit zum Gelingen des gesamten Maßnahmenpakets beiträgt. Darum wurde sie auch gleich an mehreren Stellen des Gesetzesentwurfs verankert. Die Öffentlichkeitsarbeit soll über die Fortschritte beim Wegenetzaufbau informieren, die positiven Effekte des Radfahrens hervorheben und problematisches Verhalten im Straßenverkehr thematisieren. Sie kommt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher, sondern vermittelt die Vision der lebenswerten Stadt, in der die Menschen im Vordergrund stehen und nicht der Autoverkehr.

In Anlehnung an Bambergs Ziel 10, wo auch weiterführende Quellen zu finden sind, fordern wir ein Maßnahmenpaket, welches folgende Punkte berücksichtigt:

  • Der Abbau aggressiven Verkehrsverhaltens und die Förderung und Bewerbung der Fahrradmobilität haben oberste Priorität.
  • Hierzu soll die breite Öffentlichkeit sowie Bus-, LKW- und Taxifahrer und Fahrlehrer mit gezielten Kampagnen und Ausbildungsangeboten z.B. über Sicherheitsabstände und Radverkehrsregeln im Allgemeinen informiert und dafür sensibilisiert werden. Das Fahrrad muss als gleichberechtigtes Verkehrsmittel in den Köpfen aller ankommen.
  • Die Stadt soll mit Kommunikationsmaßnahmen die Einsicht fördern, dass alle Verkehrsteilnehmer und Anwohner von dieser Radverkehrsförderung profitieren. Besonders Kinder und Jugendliche sollen für das Radfahren begeistert werden, da sie davon am längsten profitieren können.
  • Mittels einer geeigneten Bürgerbeteiligung speziell für den Radverkehr können Schäden und Gefahrenstellen unbürokratisch gemeldet werden.
  • Bei Straßenbaumaßnahmen werden die mögliche Durchfahrbarkeit für Radfahrer oder eine geeignete günstige Umfahrung gesondert formuliert und sowohl im Vorfeld medial als auch während der Maßnahme durch adäquate Beschilderung/ Markierung transparent dargestellt.
  • Im Dialog mit dem Einzelhandel werden mittels Durchführung und Vorstellung von regelmäßigen Erhebungen die wirtschaftliche Bedeutung des Verkehrsmittels Fahrrad herausgestellt. Förderung der Nahmobilität bedeutet aktive Förderung des lokalen Handels. Radfahrer kaufen in der Regel lokal und häufiger ein und stellen eine vom Einzelhandel bisher massiv unterschätzte Zielgruppe dar.
  • In der Konsequenz wird zukünftig auf Anreizprogramme für den motorisierten Individualverkehr – wie z.B. eine Parkkostenrückerstattung – verzichtet, bzw. wird dies von städtischer Seite nicht mehr aktiv beworben.
  • Der städtische Warentransport, sowie durch Tochterunternehmen angebotene Dienstleistungen soll sukzessive durch Lastenfahrräder abgewickelt werden.
  • Dagegen werden Anreizprogramme für die Benutzung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes neu geschaffen, hierbei wird der lokale Handel mit einbezogen und über die wirtschaftliche Bedeutung des Umweltverbundes gegenüber dem motorisierten Individualverkehr aufgeklärt. Alle städtischen Tochterunternehmen sollen ab sofort betriebliche Leasingmöglichkeiten für Angestellte (Entgeltumwandlung) anbieten.

    Effekte eines Dienstrades auf die Häufigkeit der Nutzung (Quelle: Graf, Thiemo: Handbuch: Radverkehr in der Kommune, 2016)

Radfahrer werden oft durch vermeintliche Kleinigkeiten am sicheren und komfortablen Vorankommen gehindert. Dazu zählen Wurzelschäden oder unzureichend abgesenkte Bordsteine. Derartige Mängel sind schnell und nachhaltig zu beseitigen. Dazu wird eine Liste mit bestehenden Mängeln erstellt und kontinuierlich aktualisiert. Schäden werden innerhalb von sechs Monaten behoben. Für Altfälle gibt es eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2022. Die Kommunikation über Online-Kanäle macht die Arbeit der sonst „unsichtbaren“ Helfer und den Stand der Arbeiten für die Öffentlichkeit transparent.

Beschreibung noch nicht formuliert